Vorsicht Jäger: Jährlich werden tausende Katzen erschossen

Auf eine wenig erbauliche Statistik machte kürzlich der Deutsche Tierschutzbund aufmerksam: Demnach werden jedes Jahr in Deutschland über 16.000 freilaufende Katzen von Jägern erschossen – und dabei handelt es sich nur um die offiziell bekannten Opfer, die in den fünf Bundesländern Nordrhein-Westfalen, Hessen, Schleswig-Holstein, Hamburg und im Saarland erfasst wurden. In den anderen Ländern werden gar keine Statistiken geführt, so dass die Dunkelziffer noch weitaus höher liegt.

Jäger pochen auf das Bundesjagdgesetz

Die Jäger haben nichts zu befürchten, wenn sie eine Katze erschießen: Nach dem §23 des Bundesjagdgesetzes dürfen Haustiere schon dann erschossen werden, wenn sie nur 200 Meter (in manchen Bundesländern 500 Meter) vom nächsten bewohnten Gebiet entfernt unterwegs sind. Der Tierschutzbund wirft den Jägern vor, Haustiere „grundlos abzuknallen“, während die Jäger sich als Schützer der Wildtiere und Vögel sehen, die herumstromernden Katzen zum Opfer fallen.  Der Deutsche Jagdschutzverband verweist auf eine Hochrechnung wonach jedes Jahr etwa sechs Millionen Singvögel durch zwei Millionen verwilderte Katzen getötet werden.

Kastrationspflicht für freigängige Katzen?

Ein Problem besteht darin, dass der Jäger nun mal nicht erkennen kann, ob es sich um eine verwilderte Katze handelt, die ständig Singvögel jagt, oder um eine von der ganzen Familie innig geliebte Hauskatze, die durch die Felder nahe ihres Wohnhauses stromert.  Immerhin sind sich beide Parteien einig, dass es eine Lösungsmöglichkeit gibt: Die Kastrationspflicht für Freigängerkatzen. Schon jetzt bemühen sich Tierschützer darum, frei herumlaufende Katzen einzufangen und zu kastrieren, so dass zumindest nicht noch mehr verwilderte Kätzchen geboren werden.

Gerade im Mai kommt es alljährlich zu einer wahren Katzenschwemme in den Tierheimen, wenn die jungen Kätzchen geboren werden.  Dabei handelt es sich einerseits um überforderte Katzenbesitzer, deren Hauskatze „unverhofft“ Junge bekommen hat, aber andererseits auch oft um die Nachkommen verwilderter Katzen, die von den Tierheimen an Futterstellen versorgt werden. Die Tierheime sind mittlerweile völlig überlastet und haben auch immer mehr Schwierigkeiten, für alle Kätzchen ein neues Heim zu finden.  Der Deutsche Tierschutzbund appelliert dann auch an alle Katzenbesitzer, ihr Tier beim Tierarzt kastrieren zu lassen.

Wenn die Katze auf einen Jäger getroffen ist

Leider haben Katzenbesitzer keine Möglichkeit, ihre Katze wirksam vor Jägern zu schützen. Wird die Katze (oder auch der Hund) von Gewehrkugeln verletzt, sollte sie natürlich möglichst schnell zum Tierarzt gebracht werden.  Es kann sich durchaus auch lohnen, den Fall zur Anzeige zu bringen, denn durch den dann entstehenden Ärger wird sich der Jäger in Zukunft vielleicht dreimal überlegen, auf Katzen zu schießen. Kastrierte Kater entfernen sich übrigens weit weniger von ihrem Haus – ein weiteres Argument, diesen wichtigen Eingriff durchführen zu lassen.

Schreibe einen Kommentar